Der Hand kommt im Yoga aber natürlich auch im gesamten Leben eine besondere Bedeutung zu. Neben dem aufrechten Gang ist die Greiffunktion der Hand die herausstechende entwicklungsgeschichtliche Errungenschaft des Menschen. Entwicklung der motorischen Fähigkeiten der Hand und Gehirnentwicklung sind sehr eng miteinander verknüpft. 

In vielen Asanas werden Hände insbesondere in ihrer Stützfunktion gebraucht. Was sind dabei die Anforderungen an die Hand und was gilt es für das Stützen zu beachten?

Die Handwurzel

Ersichtlich an der Struktur der kleinen Handwurzelknochen zeigt die knöcherne Hand eine Gewölbestruktur auf. Kleine Keilknochen die vergleichbar einem gemauerten Bogen ineinandergreifen und eine stabile Bogenkonstruktion bilden. Durch diesen Bogen laufen Blut- und Nervenbahnen und natürlich auch die langen Sehnen für die palmare Handmuskulatur. Es ist also ein empfindlicher Bereich der Druckwirkung nur zu einem gewissen Grad gut verkraftet. Insbesondere ist dabei die Stabilität des Gewölbebogens in der Handwurzel von zentraler Wichtigkeit. Weite in der Hand und gleichzeitige handgelenksnahe Einrollbewegung von Kleinfinger- und Daumenstrahl sind die Vorraussetzungen für einen stabilen Bogen.

Kraftübertragung

Der Winkel der Kraftübertragung des Unterarms auf die Hand ist sehr bedeutend für das gesunde Stützen. Bei einem 90 Grad – Winkel geht sehr viel Belastung auf die handgelenksnahen kleinen Knochen der Handwurzel über. Schon eine kleine Vergrößerung des Winkels schafft eine bessere Weiterleitung der Belastung auf die gesamte Hand und hilft dabei das Handgelenk stabiler zu halten.

Vielleicht ist es so z.B. im Vierfüßlerstand eine Erleichterung die Hände etwas weiter vorn aufzustützen. Eine weitere Möglichkeit ist das Gewicht über das Gesäß noch etwas nach hinten zu verlagern, was zusätzlich auch Druck von den Händen nimmt. Man kann natürlich auch den Winkel verändern, indem man die Handwurzel etwas unterlagert. Hierbei sollte das Lagerungsmaterial nicht zu weich sein, damit sich die Stabilität gut aufbauen kann.

Das Gewölbe

Die Muskulatur der Hand zu nutzen, so dass ein stabiles Gewölbe entsteht ist also ein zentrales Grundprinzip. Es treffen sich für ein Gewölbe mind. 2 Bögen entlang von 2 Achsen. Der Querbogen wie oben genannt durch die Einrollbewegung des Daumen- und Kleinfingerstrahls und der Längsbogen, von der Handwurzel zu den Fingerspitzen. Dieses koordinative Muster ist auch bei der Greifbewegung sichtbar, insbesondere verbunden auch mit der Oppositionsbewegung des Daumens.

Im Stützen im Yoga wie z.B. im Hund gibt es oft unterschiedliche Meinungen ob die Hand flach oder kuppelförmig aufgestützt werden sollte. Letztendlich ist die Aktivität bzw. innere, nicht sichtbare Dynamik in der Hand entscheidend. Eine flache Kuppel ist genauso möglich wie eine etwas höhere Variante. Ungünstig bei den flachen Varianten ist wenn sich die Kuppelform umkehrt, d.h. die Aktivität in die Einrollbewegung fehlt. Genauso ist es wenig vorteilhaft, wenn eine hohe Variante zu statisch und nicht adaptiv ausgeführt wird. Es empfiehlt sich im Lernprozess mit einer ausgeprägteren Kuppelform zu beginnen und sich im Laufe der Zeit einer immer flacheren Kuppel anzunähern.