Yogaübungen mehr in ihrer Funktion als in ihrer Form zu sehen, stellt die maßgebliche Herausforderung eines Praktizierenden wie auch des Yogalehrers dar. Wie werden Übungen der Anatomie entsprechend sinnvoll und nachhaltig für den Körper gestaltet? Anhand des herabschauenden Hundes (Adho Mukha Shvanasana) wollen wir uns das exemplarisch anschauen.

Was sind die funktionellen Prinzipien die im Hund zu beachten sind?

  • Aufbau des Handgewölbes
  • spiralige Verschraubung des Armes in der Stützfunktion
  • Integration des Schültergürtels
  • Aufrichteprinzip (Länge) der Wirbelsäule mit Integration des Brustkorbs und Ausrichtung in der Bipolarität (Kopf und Beckenpol)
  • Beckenkippung (gegen den Dehnzug der ischiokruralen Muskulatur/Oberschenkelrückseiten)
  • Beinachsen- und Fußausrichtung

Von der Priorität schauen wir wiederum was die häufigsten Fehler in der Ausrichtung sind. Meiner Beobachtung nach ist es einerseits die fehlende Verschraubung im Armstütz. Entweder dreht Oberarm und Unterarm gleichzeitig nach außen, was oft in einer Überstreckung des Ellebogengelenks endet. Oder Oberarm und Unterarm drehen beide nach innen, wo beide Ellebogen nach außen schauen, zuviel Kraft für den Stütz benötigt wird und ein Gleiten der Schulterblätter beckenwärts verhindert wird. Folgend entsteht Stress vor allem im Schulter-/Nackenbereich. Zudem ist häufig eine fehlende Zentrierung der Schultergelenke zu beobachten. Die Praktizierenden hängen dann quasi in den Bandstrukturen des Schultergelenks ohne ausreichende muskuläre Sicherung oder der Oberarm schlägt gar durch die fehlende Verschraubung (Außenrotation) endgradig knöchern am Schulterdach an. Dies führt dann häufig zu Schmerzen im entsprechenden Bereich der Schulter und auch über die Übungspraxis hinaus zur Verschlechterung der allgemeinen Symptomatik im Schultergelenk.

Die fehlende bipolare Ausrichtung der Wirbelsäule stellt ein weiteres Problem dar. Oft hängen die Praktizierenden wie ein Bogen bodenwärts durch. Die Problematik wird häufig sogar seitens des Yogalehrers verkannt und durch seine Ansagen soll der Kopf noch besonders nah dem Boden geführt werden oder die Wirbelsäule betont gebogen werden. In einiger  Yogaliteratur findet sich der Hund gar als Rückbeuge der Wirbelsäule einsortiert, was die ungünstige Art ihn zu praktizieren nur verstärkt. In der genannten Ausführung in einem verstärktem Bogen ist wie oben beschrieben ein fehlende Zentrierung der Schultergelenke zu beobachten und eine mangelnde Integration des Brustkorbs durch die Inaktivität der Bauchmuskulatur. Es gilt vielmehr zuerst an der Mobilität des Beckens und seiner Kippung nach vorn zu arbeiten um überhaupt ersteinmal eine Ausrichtung der Wirbelsäule zu erreichen, bevor an eine Rückbeuge gedacht werden könnte. Die Beckenkippung wird natürlich durch die starken Züge der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur behindert. Eine Beugung in den Knien gibt den zweigelenkig ziehenden Muskeln etwas Entspannung und dem Becken daher etwas mehr Spielraum. Diese Variante ist bei etwas eingeschränkter Beweglichkeit in den genannten Muskelgruppen zu empfehlen.

Bei den Beinachsen sollte vor allem darauf geachtet werden, dass die Füße geradeaus zeigen und das die Knie ihre Ausrichtung nicht verlieren. Knie und Fuß sollten in die selbe Richtung schauen was der spiraligen Ausrichtung der Beinachse entspricht. Oberschenkel nach außen und Unterschenkel nach innen.

Die Komplexität des genannten sollte nicht abschrecken, dich aber ermuntern die Übung in deinem Maß anzugehen, dir die Teilschritte und funktionellen Prinzipien Stück für Stück zu erarbeiten und immer mehr in deine Übungspraxis des Hundes einfließen zu lassen.